Rechtsprechung

Schadensersatz wegen Falschberatung zu offenem Immobilienfonds

Das Landgericht Frankfurt hat die Commerzbank zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt, da nach Ansicht des Gerichts die Klägerin von einem Anlageberater der Commerzbank nicht ausreichend über die mit der Beteiligung an einem offenen Immobilienfonds verbundenen Risiken informiert wurde.

Das Gericht begründet seine Entscheidungen mit einer Pflichtverletzung des Anlageberaters aus einem geschlossenen Beratungsvertrag. Hintergrund ist, dass eine mündliche Anlageberatung unter Zuhilfenahme der Produktinformation zu dem seinerzeit offenen Immobilienfonds Morgan Stanley P 2 Value stattgefunden hatte.

In seiner Begründung führt das Landgericht Frankfurt aus, dass die Commerzbank ihre Beratungspflicht aus dem Anlageberatungsvertrag verletzt hat, weil nicht ausreichend über die mit der Anlagebeteiligung verbundenen Risiken informiert wurde. Gem. § 31 III WpHG besteht eine Verpflichtung, dem Kunden rechtzeitig und in verständlicher Form angemessene Informationen zur Verfügung zu stellen, so dass Kunden nach vernünftigem Ermessen Art und Risiko der angebotenen oder von den Kunden angefragten Anlageform verstehen und auf dieser Grundlage auch ihre Anlageentscheidung treffen können.

Die Klägerseite, die unter Zuhilfenahme der Produktinformation beraten wurde, durfte davon ausgehen, dass ihr in dem persönlichen Gespräch die relevanten Risikoinformationen erteilt wurden. Hätte der Berater die erfolgte Risikoaufklärung erst unter Einbeziehung von schriftlichen Informationen als vollständig ansehen wollen, wäre er nach Ansicht des LG Frankfurt jedenfalls gehalten gewesen, dies unmissverständlich deutlich zu machen. Ein solcher Hinweis ist aber nicht erfolgt.

Beim Erwerb von Anteilen an offenen Immobilienfonds sind Anleger über das Risiko eines Kapitalverlustes im Zusammenhang mit der Aussetzung der Rücknahme von Anteilen (umgangssprachlich auch „Schließung“) zu informieren, da es sich hierbei um ein dieser Anlageform grundsätzlich innewohnendes, dem Anleger regelmäßig nicht erkennbares Risiko handelt.

Das Urteil des LG Frankfurt vom 23.03.2012 (2-19 O 334/11) ist bislang nicht rechtskräftig geworden, da die Commerzbank Berufung eingelegt hat und nun in II. Instanz das Oberlandesgericht Frankfurt zu entscheiden hat.



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