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Sparkassen-Präsident Fahrenschon im Tagesspiegel: Die Höhe der Dispozinsen ist richtig, die Haftung für Banken untereinander nicht

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, hat dem Tagesspiegel ein Interview gegeben.

Der „Sparkassen-Präsident“ erklärt dabei zunächst, dass die Höhe der Dispozinsen, die zum Teil deutlich über 10 Prozent p.a. liegt, losgelöst von den derzeit extrem niedrigen Leitzinsen zu sehen sei. Dies begründet er damit, dass die Banken und Sparkassen schon in dem Augenblick, in dem sie jemandem einen Dispositionskredit auch nur zusagen, bereits mit Eigenkapital- und Liquiditätskosten belastet werden. Und völlig selbstverständlich seien diese Kosten nicht etwa von der Bank oder Sparkasse selbst zu zahlen (die das Darlehen ja eingeräumt oder zumindest zugesagt hat), sondern von denjenigen, die den Dispositionskredit tatsächlich in Anspruch nähmen. Die Variante, die vor noch nicht allzu langer Zeit üblich war, nämlich die Kunden bereits bei Einräumung eines Dispositionskredits einen Bereitstellungszins zahlen zu lassen, lässt er dabei außer acht.

Das kann aus Sicht der Sparkassen, die wie alle anderen Banken auch ein (legitimes) Interesse daran haben, Geld zu verdienen, nicht verwundern. Wohl kaum jemand würde sich, müsste er allein für die Einräumung bereits bezahlen, noch einen Dispositionskredit einräumen lassen. Und das wäre wohl kaum im Interesse der Sparkassen, denn einen nicht eingeräumten Dispositionskredit würden wohl bei weitem nicht so viele in Anspruch nehmen, schon wegen der dann anfallenden „echten“ (und noch höheren) Überziehungszinsen.

Also ist sich Herr Fahrenschon sicher: „Diese Kosten müssen von denen getragen werden, die Dispositionskredite tatsächlich in Anspruch nehmen.“ (Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/sparkassen-praesident-im-interview-leit-und-dispozinsen-sind-zwei-voellig-unterschiedliche-dinge/9455780.html )

Etwas gänzlich anderes gilt allerdings laut Fahrenschon, wenn es um die Haftung von Banken (und nicht um die Kostentragung von Kunden) untereinander geht. Zum Stichwort „Bankenunion“ kritisiert der Cheflobbyist, dass die angestrebten Reformen den großen Fehler hätten, dass zukünftig auch die eher kleinen Banken für die Abwicklung der großen Institute zu zahlen hätten. Zitat: „In Deutschland würde ja auch keiner auf die Idee kommen, alle Autofahrer zu zwingen, für die Versicherung der Gefahrguttransporter zu zahlen“. (Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/sparkassen-praesident-im-interview-leit-und-dispozinsen-sind-zwei-voellig-unterschiedliche-dinge/9455780.html).

Dieser schöne Vergleich gilt also ganz selbstverständlich für die kleinen Sparkassen, die nicht für das hohe Risiko der großen Geschäftsbanken haften wollen und sollen. Er gilt aber nach Herrn Fahrenschon ganz offensichtlich nicht für den kleinen Bankkunden, der mit seinen exorbitant hohen Dispozinsen auch für die Bereitstellung eines Dispokredites an den Hochrisiko-Kreditnehmer von nebenan mitbezahlt – obwohl der seinen Kredit gar nicht in Anspruch nimmt. Dies passt unserer Meinung nach nicht zusammen.



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