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Infinus Skandal

Der Skandal um den Finanzdienstleister Infinus AG entwickelt sich offenbar zu einem der größten Pleitefälle Deutschlands. Die Dresdner Staatsanwaltschaft hat inzwischen ihre Ermittlungen weiter ausgebaut und ermittelt nun gegen 10 Tatverdächtige.

Insgesamt geht es nach derzeitigen Informationen um 25.000 Anleger und einen Schaden von über 400 Millionen Euro.

Hinter Infinus steckt ein Konzern namens Future Business KG (auch Fubus genannt).

Zu dem Konzern gehören nach eigenen Angaben ein Wertpapierhandelshaus, mehrere Vertriebsfirmen mit etwa 2.000 eigenständig arbeitenden Finanzberatern, eine Hausverwaltung, eine Maklerfirma, eine Agentur für Öffentlichkeitsarbeit sowie eine eigene Ausbildungsakademie. Gründer und persönlich haftender Gesellschafter des Finanzkonzerns (der Fubus) ist der 52-jährige Jörg Biehl aus Dresden.

Die Gruppe bietet Investments an in Immobilien, Edelmetalle, Industriemetalle, seltene Erden, Rohstoffe, erneuerbare Energien, Umwelttechnologien, Versicherungen, Fonds, Anleihen, Aktien und Unternehmensbeteiligungen. Die diversen Anlageprodukte versprachen Renditen zwischen 3,5 und acht Prozent pro Jahr. Die Tochterfirmen der Future Business KG schütteten 2011 Gewinne in Höhe von gut 91 Millionen Euro aus. 

Die Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut vermittelte als Wertpapierhandelshaus Schuldverschreibungen, Genussrechte, Investmentfonds und Vermögensverwaltungsverträge. Ferner war sie im Wege der Anlage- und Abschlussvermittlung mit der Platzierung der Wertpapiere betraut.

Vertrieben wurden Orderschuldverschreibungen und Genussrechte der Future Business KGaA sowie vinkulierte Namensgenussrechte der Prosavus AG.

Die Future Business hatte Orderschuldverschreibungen und Genusscheine mit teilweise 2-stelliger Verzinsung und überwiegend kurzen Laufzeiten ausgegeben.

Hierfür vereinnahmte das Unternehmen erhebliche Provisionen. Dabei verfügte die Future Business anfangs über ein Aktienkapital von mehr als 25 Mio. Euro. Die Kreditwürdigkeit wurde durch die Firma "Hoppenstedt CreditCheck" von 2011 bis 2013 jeweils mit Bestnoten beurteilt.

Dieses Modell ist nunmehr aufgeflogen.

Die Infinus-Mitarbeiter sollen zum einen, nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei Finanzgeschäften, falsche Angaben zur Vermögens- und Ertragslage, den Orderschuldverschreibungen, gemacht haben.

Bei Orderschuldverschreibungen verpflichtet sich der Schuldner, an einen namentlich genannten Gläubiger eine bestimmte Summe plus Zinsen zu zahlen. Die Forderung ist übertragbar. Die Anlageform gilt als riskant, weil der Anleger nicht durch ein Einlagensicherungssystem vor dem Totalverlust geschützt ist.

Zum anderen soll die Infinus AG ihre Bilanzen mithilfe eines Provisionskarussells geschönt haben. Infinus habe Gewinne aus Provisionen erzielt, die das Unternehmen von der eigenen Mutter, der Future Business, erhalten habe.

Die Provisionen ergaben sich aus dem Kauf von Versicherungen und dem Verkauf, der für die Orderschuldverschreibungen und Genussrechte gezahlt wurde. Am Jahresende habe Infinus den Gewinn, und damit auch die Provisionen, an Future Business zurückgezahlt.

Anders als Future Business es im Jahresabschluss als Geschäftsmodell beschreibt, wurden die Policen auch nicht langfristig weitergeführt. Future Business hat die Lebensversicherungen gebündelt, bis sie einen Millionenwert hatten. Dann wurden sie alle gekündigt. Dadurch wurde Geld für fällige Zinsen gebündelt. Dann wurden neue Versicherungen vermittelt, was Provisionen von den Versicherungsgesellschaften brachte.

In der Regel wurden die Kunden jedoch nicht ausgezahlt, sondern erhielten im Gegenzug die oben genannten Orderschuldverschreibungen oder Genussrechte von Future Business Töchtern.

Zudem untersucht die Staatsanwaltschaft nunmehr, ob sich die Finanzgruppe über ein Schneeballsystem finanziert habe.

Die Firmen Future Business und Prosavus aus der Dresdner Infinus-Gruppe sind bereits zahlungsunfähig.

Future Business und Prosavus warben mit Top Ratings des Wirtschaftsinformationsdienstes Hoppenstedt. Sie zählten danach zu den bestbewerteten Unternehmen im Juli 2013 in Deutschland. Das stärkte das Vertrauen der Anleger. Doch im November wurde das vorläufige Insolvenzverfahren für beide Unternehmen eröffnet, ebenso für weitere Unternehmen wie EcoConsort und ValueConsort, bei denen Anleger ebenfalls investieren konnten.

Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist frühestens im Februar 2014 zu erwarten.



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