Zertifikate
Im regulierten sogenannten Weißen Kapitalmarkt haben sich in jüngster Zeit vermehrt Probleme bei Mischformen klassischer Anlageformen, den sogenannten Strukturierten Produkten ergeben. Besondere Aufmerksamkeit haben hier zuletzt Zertifikate der Investmentbank Lehman Bros.Lehman Bros. ist eine amerikanische Investmentbank, die im Zuge der Subprimekrise in den USA im September 2008 in die Insolvenz fiel (Chapter [...]
und von deren Tochtergesellschaften erregt.
Im Gegensatz zu Produkten des Grauen Kapitalmarktes treten in diesem Bereich fast ausschließlich Banken als Berater bzw. Vermittler auf. Die Zertifikate werden hauptsächlich im Rahmen einer AnlageberatungAnlageberatung ist die Abgabe von Empfehlungen zu einer Investition, z.B. dem Erwerb einer Immobilie, der Zeichnung von Fonds oder Aktien, sofern die [...]
oder der VermögensverwaltungEine Vermögensverwaltung (Asset Management) ist dadurch gekennzeichnet, dass der Anleger die Entscheidung über die Anlage seines Vermögens aus der [...]
erworben.
Ansatzpunkt eines anwaltlichen Vorgehens kann hier eine Falschberatung sowohl hinsichtlich der Voraussetzungen der VermögensverwaltungEine Vermögensverwaltung (Asset Management) ist dadurch gekennzeichnet, dass der Anleger die Entscheidung über die Anlage seines Vermögens aus der [...]
(sogenannte Exploration) als auch hinsichtlich des einzelnen Geschäfts sein.
Hierbei hat der Berater grundsätzlich sowohl eine anleger- als auch eine anlagegerechte Beratung vorzunehmen.
Im Rahmen der anlegergerechten Beratung hat der Berater auf die Bedürfnisse des Anlegers Rücksicht zu nehmen. Zu prüfen ist insbesondere, ob die anempfohlene Kapitalanlage der Lebenssituation und der persönlichen Risikobereitschaft des Anlegers angemessen ist.
Eine anlagegerechte Beratung muss die Einordnung der mit der Anlage selbst verbundenen Risiken und eine Erklärung der Funktionsweise der Anlage umfassen.
In Fällen, die im Zusammenhang mit der Investmentbank Lehman Bros.Lehman Bros. ist eine amerikanische Investmentbank, die im Zuge der Subprimekrise in den USA im September 2008 in die Insolvenz fiel (Chapter [...]
stehen, sind beispielsweise vermehrt ältere Anleger zu einer relativ riskanten und schwer verständlichen Anlageform motiviert worden, die dem jeweiligen Anlagehorizont nicht entsprach. Zugleich ist die Darstellung wesentlicher Risiken, wie zum Beispiel des Emittentenrisikos und der Entwicklung der Basiswerte, in vielen Fällen unterblieben.
Ist eine der genannten Beratungspflichten verletzt, führt dies regelmäßig zu einem Schadensersatzanspruch des Anlegers. Dieser umfasst neben der RückabwicklungAls Rückabwicklung bezeichnet man den Zustand, der erreicht wird, wenn der Kapitalanleger so gestellt wird, wie er stehen würde, wenn er sich an [...]
des Kaufs der Kapitalanlage regelmäßig auch den sogenannten Wiederanlageschaden. Sind außerdem nicht offenbarte Rückvergütungen (Kick-Backs, Retrozessionen) geflossen ergibt sich unter Umständen ein Anspruch auf Herausgabe dieser Verwendungen.
Eine pauschale Unterscheidung in „gute“ oder „schlechte“ strukturierte Produkte ist regelmäßig weder möglich noch sinnvoll. Vielmehr ist der Ansatzpunkt eines rechtlichen Vorgehens fast ausnahmslos die jeweilige Beratungssituation.
29.09.2011 - BGH zur Falschberatung bei Lehman-Zertifikaten
05.03.2010 - Lehman-Zertifikate


